Schon den Kelten und Römern war er als außergewöhnlicher und heilsamer Fruchtbaum bekannt, der Speierling, Sorbus domestica. Heute ist er in unserer Kulturlandschaft fast verschwunden. Der Speierling ist der größte und mächtigste Vertreter der Rosengewächse.

Alte Bäume können einen Stammdurchmesser von über 1,50 Meter, bis zu 30 Meter hoch und frei stehend einen Kronendurchmesser bis zu 20 Meter erreichen. Die Früchte besitzen überaus viele Aroma-, Gerb-, Vitalitätsstoffe und Vitamine. Früher wurden sie wegen ihrer, den gesamten Organismus stärkenden Wirkung, vielseitig verwendet. So zum Beispiel als getrocknete Wildfrucht, Mus, Gelee oder Speierlingsbrot.

Im Raum Frankfurt wird der Baum heute noch für den Speierlings-Äpfelwein angebaut. Ein geringer Zusatz ergibt eine schöne Farbe und lange Haltbarkeit. Der Reifezeitpunkt der Früchte liegt von Hochsommer bis Spätherbst. Bis zu zwanzig Zentner Früchte kann ein Baum tragen. Über dreißig verschiedene Fruchtformen in den Farben gelbgrün bis rotbraun sind bekannt, darunter apfel- und birnenförmige. In Italien werden Speierlingsfrüchte sogar auf Obstmärkten angeboten. Als Heilmittel wurden die Blätter dem Vieh gefüttert. Für die sonstige Tierwelt ist der Baum eine kleine Schatztruhe. Die Blüten locken tausende von Bienen an, und Insekten umschwirren die Bäume. Vögel reißen sich um die wohlschmeckenden Früchte.

Eines der schönsten heimischen Hölzer

Das Holz des Speierlings ist das schwerste Heimische und wurde früher sogar als Bug für Schiffe benutzt, damit sie nicht untergehen – außerdem für mechanische Teile wie Spindeln, Obstpressen, Spinnräder und ganz besonders im Instrumentenbau. Schalmeien, Flöten, Dudelsäcke und Drehleiern aus Speierlingholz haben einen warmen, tiefen und tragenden Klang. Da es sehr hart ist, lässt es sich sehr fein bearbeiten. Außerdem hat es eine außergewöhnliche samtige Oberfläche. Zum Möbelbau ist es eins der schönsten heimischen Hölzer. Es ist von ganz feiner Struktur, zart, hell, rosa, oft mit flammiger Zeichnung oder dunkelrötlichen Einschlüssen.

Kleinere Gartensorten

Speierling im Herbstlaub

Speierling im Herbstlaub

Der Baum braucht einen trockenen, freien und nährstoffreichen Standort. Die Bayerische Landesanstalt für Wein und Gartenbau (siehe Adresse) hat klein bleibende, frühe und reichtragende Speierlinge nachgezogen. Sie eignen sich sehr gut im Garten zur Zierde. Die einen Meter hohen Sämlinge werden als Containerpflanzen gesetzt. Zweijährige Pflanzen können auch wurzelnackt verpflanzt werden. Wichtig ist es, ihnen Kronenfreiheit zu geben. Im ersten Standjahr müssen sie bei Trockenheit gegossen werden. Danach brauchen sie keine Wassergaben mehr, da sie trockene Perioden vertragen und Weinbauklima mögen. Ein Drahtkorb um den Wurzelballen ist bei der Pflanzung gegen Wühlmäuse sinnvoll. Junge Bäume müssen dazu die ersten Jahre gegen Wildverbiß geschützt werden. Nach sieben Jahren bildet sich vom Stammfuß her eine rauhe Borke, die dann den Baum vor Verbiß schützt.

Kosmische Bildekräfte

Nur noch rund 4000 alte Speierling-Bäume wachsen in Deutschland. Es gibt einen Freundeskreis Speierling, der sich sehr engagiert um Nachzucht, Forschung und Arterhaltung bemüht. Doch das reicht bei weitem nicht aus. Den Speierling wieder einzubürgern erfordert auch die Mithilfe von Gärtnern, Land- und Forstwirtschaft.

Durch einseitige Waldwirtschaft bleibt für den äußerst lichtbedürftigen Speierling kein Platz. Außerdem muss er gepflanzt und gepflegt werden, da Altbäume zur Naturverjüngung fehlen. Auch starker Wildverbiß macht ihm zu schaffen. Als Hofbaum, in Streuobstwiesen und als Solitärbaum an Feldwegen eignet er sich besonders. Der Speierling vermag in besonderen Maße die kosmischen Bildekräfte anzuziehen. Wer einmal einen sonnenumfluteten Baum in freier Landschaft bewusst wahrgenommen hat, wird sich der Faszination dieses Weltenbaumes nicht mehr entziehen können.

Speierlingspflanzen verkaufen:

  • Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau
    Herr Döppler, Steige 15, 97209 Veitshöchheim
    Fon: 09364/89257
    Fax: 09364/89259
  • Baumschule König
    Hauptstr. 89, 66424 Homburg-Einöd
    Fon: 06848/1085
    Fax: 06848/67321

Buchtipps:

  • Der Speierling
    W. Kausch-Blecken von Schmeling, Liegnitzer Str. 17, 37120 Bovenden, Fax: 0551/8205597
    32,- EUR, 184 Seiten
    Geschichte, umfangreiche Verbreitungskarten, Waldbaum Speierling, Anbau und Anzucht – auch aus Samen, Schädlinge, Naturschutz, Holzverwendung, Fruchtverwertung. Die Adresse ist auch Geschäftsstelle des Fördervereins und Herausgeber der Zeitschrift “Corminaria” (zweimal jährlich, 15 EUR).
    Internet: www.Corminaria.de, E-Mail: info@corminaria.de
  • Kleine, interessante Broschüre: Der Speierling – Ein seltener Baum in Wald und Flur, Heft 14
    von Stiftung Landesbank Baden-Württemberg
    Fritz-Elsas-Str. 31, 70174 Stuttgart, wird gegen 1,53 EUR + Porto versandt
  • Edle Möbel aus Speierling und Wildobst: Urholz
    Thomas Kellner, Kleingartacher Str. 21, 74193 Schwaigern-Stetten
    Fon: 07138/6003, Fax: 07138/932714 (suchen ständig uralte, knorrige Bäume)
  • Der Speierling
    Prof. Dr. Wedig Kausch-Blecken von Schmeling, Bovenden
    Download (PDF 378kb)