Seit 2009 wurde an der HAWK Fakultät Ressourcenmanagement von Prof. Bombosch der Gedanke der Holzbringung mit Frachtschlitten  außerhalb des Schnees verfolgt. Es sollte eine dauerhafte Lösung des Holztransports aus den Wäldern der norddeutschen Tiefebene entwickelt werden, die die meist mit Erle und Birke bestockten  humosen Nassstandorte und die sandigen Kiefernflächen ganzjährig befahrbar macht.

Pistenbully mit Frachtschlitten Radbruch

Pistenbully mit Frachtschlitten Radbruch

Mit Hilfe engagierter Partner war es mit Pilotstudien zunächst gelungen, die Sinnhaftigkeit dieses Ansatzes zu hinterfragen (F+T 5/2010). Mittlerweile wurde mit der  Fa. Hellgeth engineering, Spezialfahrzeugbau GmbH als Kooperationspartner in einem ZIM Projekt und der Fa. Lehmann Maschinenbau GmbH je ein Prototyp entwickelt.

Auf der Interforst 2014 wird ein Gespann zum Rücken von Rundholz für den Einsatz auf labilem Untergrund vorgestellt. Der zweigliedrige Kettenschlepper Hellgeth FM-529-LI mit einer Leistung von 210 kW und hydrostatischem Antrieb weist eine Zugkraft von 86 kN auf. Das 8,5 m lange und 2,32 m breite Fahrzeug hat eine Bodenfreiheit von 40 cm und einen Kurvenradius von ca. 8,5 m.  Die Nutzlast auf dem angetriebenen Hinterwagen beträgt ca. 5 Fm  Fixlängen. Integriert ist ein Ladekran mit 8,50m Reichweite und einer brutto Hubkraft von 53 kNm. Die Entwicklung soll als Zugfahrzeug von Frachtschlitten für Rundholz dienen. Kernstück dieser innovativen Entwicklung ist ein Laufwerk und eine Knicklenkung, die das Fahrzeug über vier Drehachsen an die Konturen des Geländes anpasst. Im Hinblick auf Traktion, Bodenschonung und Zugkräfte werden Superlative erwartet.

Hellegth FM 529 LI Testfahrt Rodacherbrunn

Hellgeth FM 529 LI

Aufwendige Messungen von Bodenspannungen und Zugkräften ermöglichten den Aufbau eines Simulationsprogramms, das für die Fortentwicklung des Systems eine dynamische Druckregelung des 3D Gelenks mit der Maßgabe vorsieht, dass die Bodendrucke in jedem Fahrzustand gleichmäßig über die Kettenbänder des Schleppers verteilt werden. Der neu entwickelte Prototyp ermöglicht dem Einsatzleiter, negative Aspekte bei der Waldbewirtschaftung zu umgehen und so effizient und ökonomisch zu wirtschaften sowie gleichzeitig die wertvolle Ressource Boden zu schützen. Der Hellgeth FM-529-LI wird als Prototyp erstmals der interessierten Öffentlichkeit für noch anstehende Erprobungseinsätze vorgestellt.
Passend zum Zugfahrzeug wird ein Holzfrachtschlitten der Fa. Lehmann gezeigt, mit dem 3 -6 m Längen befördert werden können. Die Ergebnisse von Bodenspannungsmessungen zeigen, dass die 10 t Gesamtgewicht des FM 529 LI im beladenen Zustand und der 3,5 t schwere Frachtschlitten mit 6 t Zuladung Bodenspannungen weit unter den bisherigen von Harvester und Forwarder aufweisen. Die Gummikette des Schleppers hat eine Kontaktfläche von 6,7 m², der Schlitten von ca. 3,2 m². In der Praxis wird eine mit anderen Rückesystemen vergleichbare Leistung durch die nahezu doppelte Transportgeschwindigkeit (max. 32 km/h) auf der Waldstraße gegenüber den herkömmlichen Systemen möglich sein.

Durch das Frachtschlittenkonzept beflügelt wurden Unterschnall-Kufen für handelsübliche Rückeanhänger entwickelt. Diese werden durch ein einfaches Einfahren in die Kufe angelegt. Gemein ist beiden Systemen, dass über eine sehr große Kontaktfläche und das Gleiten der Lasten über den Untergrund erheblich niedrige Bodenspannungen entstehen und Bodenverletzungen durch Spurbildung bei mehrfachen Überfahrten mit hohen Lasten verhindert werden. Die Rangierbarkeit des Rückewagens ist uneingeschränkt. Durch diesen Ergänzungsbaustein wird dem Forstunternehmer eine Möglichkeit gegeben, kostengünstig  geringe Bodenbeschädigungen trotz hoher Transportkapazität umzusetzen. Als Zugfahrzeug sind Kranschlepper mit Deltalaufwerken oder auch 4 – Achs Forwarder (vorn Bogiebänder, hinten Kufen) denkbar. Aus der Sicht des Natur- und Umweltschutzes sind die geringen Bodenbelastungen in einem empfindlichen Standortsegment hervorzuheben.

Eine Unterbaukufe zum “Einfahren” des Rücke- Hinterwagens für unterschiedliche Reifengrößen und -breiten ist bereits konzipiert. Die  Testkufen sind für 5-600 er Bereifung ausgelegt.

Mit dem vorgestellten System soll der Versuch unternommen werden, mit leichten Maschinen und alternativen Fahrwerken der Praxis zu helfen, sowohl der Bestandesschonung als auch der Nutzfunktion des Waldes gerecht zu werden.