Ein Ansatz zur Erneuerung der Vermessung in vollmechanisierten Systemen

Das forstliche Basismaß war in der Vergangenheit immer der Festmeter ohne Rinde und der Raummeter mit Rinde. Die großen Tarife wie HET und EST fußten auf diesen Basismaßen. Was im Folgenden von Wichtigkeit ist: – das Aufarbeitungsmaß war gleich, oder besser, entsprach dem Verkaufsmaß. Gegenüber der waldbaulichen und der Sicht der Forsteinrichter wurde mit dem Holzerntevorgang aus dem Vorratsfestmeter der Erntefestmeter o.R. Zu Zeiten der überwiegend motormanuellen Aufarbeitung unserer Sortimente war es auch Recht und Billig, die Stückmasse als Basisparameter für die Holzernte zu führen und mit Zu- und Abschlägen den jeweils örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Der Einfluss der Stückmasse (Stückmassegesetz) war der entscheidende Parameter auf die Leistung der Waldarbeiter und somit auch auf die Kosten.

Im Zuge zunehmender Mechanisierung der Waldarbeit durch Vollerntesysteme kam der Wunsch auf, die geltenden Vermessungsverfahren (Handelsklassensortierung – HKS) auch hier zu verwenden. Die Firma Wahlers Forsttechnik hat sich seit Anfang der 90er Jahre sehr verdient gemacht, diese Vorgaben umzusetzen und salonfähig zu machen.
Nicht dass die Vermessungsverfahren und notwendigen Algorithmen in den Harvester – Vermessungssystemen seitdem stehen geblieben sind, nein, sie sind fortlaufend optimiert worden. Aktuelle Untersuchungen haben gezeigt, dass die Schaftkurven aus den Harvesterdaten ausreichend genau sind, um die Erntevolumen (Efm.o.R) aus Durchmesser und Länge für den jeweiligen Hieb zu bestimmen. Viele Waldbesitzer und Unternehmer vertrauen diesen Genauigkeiten und verwenden Sie sowohl für die Entlohnung der Dienstleistungen im Zuge der Holzernte sowie mit einigen Korrekturparametern auch für den Holzverkauf. Es liegt also nicht im Interesse diese Vermessungsvariante aus dem vollmechanisierten System herauszunehmen, vielmehr nur das zu nutzen, was eichfähig bzw. ausreichend genau als Kontrollmaß ist.

Das Problem:

In einer Geschäftsbeziehung (Waldbesitz – Dienstleister), die im § 25 des Eichgesetzes detailliert beschrieben ist, taucht der Begriff der Eichung auf. War es noch machbar eine Kluppe zu eichen, ist das Vermessungssystem an einem Harvester derzeit immer noch nicht eichfähig. Das Harvestermaß darf daher derzeit weder als Verkaufsmaß noch als Abrechnungsmaß verwendet werden. Hauptproblem liegt in der Durchmesserermittlung mittels Entastungsmessern oder Stachelwalzen. Nichtsdestotrotz haben sich Lösungen mit Kalibrieren und Justieren auf der Basis vom Erntefestmeter o.R. und Raummeter m.R. gefunden, um die Dienstleister per Abschlag zu bezahlen bis z.B. das geeichte Maß des Sägewerkers vorliegt (dauert z.T. mehr als 5 Monate).

An dieser Stelle sei es erlaubt, mal lauter darüber nachzudenken, welch ein Einfluss von den historisch gewachsenen Basisparametern mit ihren vielfältigen Einflussparametern ausgeht, der das Ansinnen von Genauigkeit und Ehrlichkeit konterkariert:

Beispiel 1:

Ein Harvesterfahrer arbeitet einen Sortimentshieb im Nadellholz mit 500 Efm.m.R. Abschnitte und 100 Rm.m.R. Industrieholz auf (Harvestermaß).
Das Vermessungssystem des Harvesters reduziert den Durchmesser mit Rinde mittels Rindenabzugstabellen auf Efm o.R. Der eingesetzte Forwarder rückt das Holz mit geringfügigen Verlusten aus dem Bestand an die Waldstraße. Hier wird mittels der Stückzahl und der durchschnittlichen Sortimentsrollenmasse das Verkaufskontrollmaß korrigiert. Formzahlbedingt (0,57) und somit standortsabhängig kann gegenüber einer Langaufarbeitung durch den Einschnitt in Sortimente ein Volumengewinn – verlust, der bis zu 10 % betragen kann, entstehen. Ferner sei die Frage erlaubt: Warum verkauft man heute Holz ohne Rinde, obwohl sie am Stamm / Sortiment verbleibt?
Das aufgearbeitete Raummaß wird in der Umrechnung mit dem Übermaß von 4 % versehen und mittels spezifischem Umrechnungsfaktor (Krangesetzt etc.) auf Efm.o.R. umgerechnet. Das Alles, um dann ggf. mit dem geeichten Werksmaß die eingegangenen Rechtsgeschäfte abzuschließen.

Beispiel 2:

Ein hungriger Waldarbeiter geht zum Metzger und kauft sich 500 g Mettwurst am Stück. Der Metzger bekommt vom Waldarbeiter einen Abschlag mit dem Hinweis, dass er das Gewicht zuhause nach dem Verzehr, was auch mehrere Tage in Anspruch nehmen kann, um den Anteil der Pelle und das Schwundmaß von 4 % durch Austrocknung in seiner Pausentasche / Speisekammer noch korrigiert.

Im Geschäftsgebaren vom Waldbesitzer zum Forstunternehmer ist aufgrund der vielen Unwegsamkeiten das Volumen des aufgearbeiteten Holzes aus Sicht des Autors ein vertrauter, aber im Hinblick auf den technischen Wandel und ggf. der ökonomisch sinnvollen Nutzung der Rinde auch ein problematischer Parameter.

In der Vergangenheit gab es neben der Mittenstärkensortierung auch die Heilbronner Sortierung, die Länge und Zopfdurchmesser als Basismaße heranzog.
Auch das Calmbacher Messverfahren (1983) griff diesen Gedanken auf und bekam in Baden Württemberg eine regionale Verbreitung. Das Rohschaftverfahren aus dem d1 Verfahren des Schwachholzes entwickelt (1982) bekam durch Prof. Dr.Hradetzky an der FVA Freiburg auch eine Laufmetervariante. Der Niedergang der Holzhöfe und der Vollbaumernte durch das Aufkommen der Harvester Technologie stoppte die Verbreitung und die Weiterentwicklung dieser Ansätze.

Der nun folgende Ansatz

trennt zunächst die beiden Geschäftsgebaren in Holzernte und Holzverkauf (siehe Abb.1). Die Vermessungsprogramme und Verfahren auf den Harvestern bleiben wie sie sind und dürfen/sollen auch weiter entwickelt werden! In der Beziehung Waldbesitzer – Dienstleister tauchen neben der klassischen Variante auch die Stockverkäufe auf, die in diesem Vorgehen gleich mit berücksichtigt werden sollen.

Abb.:1. Zweistufiges Verfahren bei geeichter Längenvermessung

Abb.:1. Zweistufiges Verfahren bei geeichter Längenvermessung

Mit einem neuen Basisparameter, der Sortimentslänge (Laufmeter) wäre eine Möglichkeit geschaffen, die tatsächliche Leistung eines voll mechanisierten Systems wesentlich besser darzustellen als über das Volumen. Die Länge und Stückzahl ließe sich auch sehr stabil durch die gesamte Prozesskette verfolgen und kontrollieren. Einflussparameter wäre der BHD und die Kronenlänge z.B., die grob gestuft, wie schwach, mittel, stark oder 25%, 50%, 75% die Éinflüsse ausreichend genau wiedergeben. Unter www.Forstwissen.de findet sich mit Heide-HP bereits ein bewährtes Eingabeschema auf Basis des Volumens, das die Einflussparameter umfassend abdeckt. Für die Beziehung Waldbesitz – Holzkäufer könnte man das Kontrollmaß Laufmeter sehr einfach herleiten, der Harvester liefert es aus der bestehenden Vermessung inklusive Zumaß und X-Holz. Die notwendigen Größen für die Berechnung des Erntefestmeters o.R. ließen sich, wie oben bereits erwähnt, anhand der ausreichend genauen Schaftkurven des Harvesters wie bisher spezifisch für den Hieb heranziehen und mit Baumlänge und Stückzahl verbinden.

Vorteil:

Alles was oben an problematischen Dingen steht, interessiert nicht!  Konsequenz: Eine Reihe alter forstlicher Vermessungszöpfe wäre abgeschnitten. Alte, ggf. irrelevante Informationen gehen verloren. So ist im Stockverkauf dem Waldbesitzer der Blick in die Sortimentierung u. U. versperrt, was m.E. eher positiv zu werten ist.

Nach Aussage der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB) Herrn Lohse, gäbe es auch keine Schwierigkeit der Eichung der momentanen Längenvermessung am Harvesterkopf. Die Rechtssituation im Rahmen des Eichgesetzes wäre erfüllt. Endlich wäre ein einfaches und nachvollziehbares Maß für Waldbesitzer und Unternehmer gefunden. Die Abschlagszahlungen die z.T. nur 60 – 80 % des Auftragsvolumens betragen gehörten der Vergangenheit an.
Die Idee könnte aber auch durchaus schmackhaft für den Holzverkauf von vollmechanisiert aufgearbeiteten Massensortimenten sein.

Wer die geeichten Vermessungseinrichtungen der Holzindustrie kennt, weiß, dass da natürlich mit unterschiedlichem Maß gemessen wird:
Volumenoptimierung, Terminoptimierung und Preisoptimierung, um nur die drei Wichtigsten zu nennen. Sie laufen nicht alle gleich gerichtet (Formzahl bedingt), aber für den Waldbesitzer nicht nachvollziehbar, also ist der Gedanken an NUR Länge und Stückzahl auch hier nicht ganz abwegig. Die Schichtholzaufarbeitung bekäme durch Laufmeter und drei oder vier Durchmesserstufen ebenfalls ein kalkulierbares und vertrauenswürdiges Basismaß.

Fazit

Das vorgestellte Vorgehen rüttelt mächtig an forstlicher Gewohnheit und Historie. Folge könnte ein Aufschrei unter allen am Geschäft Beteiligten sein. Dem ist entgegen zu halten, dass in der vorliegenden „Dreierbeziehung“ der Dienstleister künftig aus dem Holzverkaufsgebaren herausgehalten wird und zeitnah zu seiner Dienstleistung auf der Basis eines geeichten Maßes bezahlt werden kann. Dass das Verkaufsgebaren zwischen Waldbesitzer und Holzindustrie einen neuen Akzent bekommt sollte eine zu bewältigende Herausforderung sein.