Auf der Basis mehrerer Diplomarbeiten an der HAWK sowie der FH in Weihenstephan und eines umfangreichen temporären Forums auf der Seite des Kompetenznetzes Holz wurde der nachfolgende Beitrag von Verena Sohns zusammengestellt:

Der Mond – zwar bereits vom Menschen erobert und wissenschaftlich analysiert, ist er immer noch ein Mysterium, was seine Wirkungen auf das irdische Leben betreffen. Nicht nur die Gezeiten Ebbe und Flut, auch Pflanzen, Tiere und Menschen werden durch den natürlichen Satelliten der Erde beeinflusst. Bekannt sind Zusammenhänge zwischen Mondphase und Gewitterhäufigkeit, der Fortpflanzung und dem Wachstum von bestimmten Arten, gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen, wie Mondsüchtigkeit oder Schlafstörungen, starke Operationsblutungen oder die höhere Geburtenzahl bei Vollmond. Die genauen Übergänge zwischen Wissenschaft und Aberglaube sind allerdings nicht immer auszumachen.

Für die Forst- und Holzwirtschaft hat die Mondphase bzw. die Mondstellung eine gewisse Bedeutung Die Lichtphasen des Mondes, insbesondere Vollmond, Halbmond und Neumond, sind für den irdischen Beobachter am deutlichsten auszumachen. Auch für die Forst- und Holzwirtschaft hat die Mondphase bzw. die Mondstellung eine gewisse Bedeutung.

Nicht zuletzt die seit langerem kritische Diskussion über Holzschutzmittel und deren gesundheitliche Beeinträchtigungen des Menschen hat bei einigen Produzenten zu einer Rückbesinnung auf die Feststellung geführt, dass Holz auch ohne chemische Behandlung lange seinen Wert erhalten kann. Weiterhin werden mit Holz, welches auf ganz bestimmte Art und Weise gefällt, aufgearbeitet und verbaut wird, auch spezielle Käuferschichten angesprochen, die auf diese Sachverhalte besonderen Wert legen, so dass man hier von einer Marktnische sprechen kann.

Spuren in der Antike
Ein relevanter Aspekt die Holzquälitat zu erhalten ist der richtige Fällungszeitpunkt. Richard Stark hat sich in seiner Diplomarbeit (1990, Weihenstephan) intensiv mit historischen Schriften über die Holzqualität in Abhängigkeit vom Einschlagszeitpunkt beschäftigt. Wie er aufzeigen konnte, sind Überlegungen über den richtigen Hiebzeitpunkt wahrlich keine Erfindung der Neuzeit. In der ältesten religiösen Literatur der arischen Inder (“Rigweda”, 1000 bis 400 v. Chr.) findet sich bereits das Gebot, Holz zur “richtigen Zeit” zu fällen. Angaben über eine empfohlene Fällzeit der Baume finden sich auch in der römischen und griechischen Literatur. Neben der Jahreszeit spielt auch die Mondphase eine große Rolle.

Die Baumeister der Vergangenheit empfahlen fast durchgangig die Winterfällung und die Phase des abnehmenden Mondes für den Einschlag. Unsere Ahnen waren genaue Naturbeobachter. Plinius (ca. 24-79 n. Chr.) stellte beispielsweise fest, dass “das bei Vollmond oder zunehmenden Mond gefällte Holz für Bauplätze und Werkstätten als ungeeignet erkannt wurde”. Als Begründung wird angeführt, dass während des abnehmenden Mondes gefälltes Holz nicht von Fäulnis angegriffen wird.

Bauernregeln und Forstordnungen
Im Calendrium Oeconomicum perpetuum veröffentlicht von Johannes Coleri im Jahre 1592, finden sich im Abschnitt “Genand das Buch von der Holzung” eine große Anzahl von Fällungsregeln, die sich ebenfalls auf die Jahreszeit und die Mondphase beziehen. Beispiel: “Welches Holz gehawen wird von dem Vollmonden an bis auff das letzte viertel, das faulet nicht. Oder: Will man Holz fellen so zur Arbeit soll gebraucht werden und nicht schwinden soll, so mus mans fellen in des Monds fülle”. Ähnliche Einschlagsregeln werden von Conrad Herresbach in seinem Werk “Rei rusticae quattuor” aus dem Jahre 1606 aufgeführt. Für das Winterholz und während der abnehmenden Mondphase wird eine geringere Wassermenge im Stamm angenommen. Interessanterweise finden sich derartige Regelungen auch in den alten Forstordnungen, die grundsätzlich die Winterfällung vorschreiben (der “Summerhau” wird sogar teilweise verboten) und die abnehmende Mondphase für Bau- und Zimmererholz empfehlen. So sagt eine alte Forstordnung aus dem Jahre 1606: “Werk- und Bauholz darf erst nach dem 23. Oktober im Zeichen Skorpion und bei abnehmendem Mond bis Ende Februar geschlagen werden. Bei Meidung dieser Anordnung gibt es eine gebührliche Strafe” (zit. nach Hinterseer, 1982). Wie ein roter Faden ziehen sich diese Überlieferungen ebenfalls durch die alten Bauernregeln, wahrend sie sich hier nicht nur auf Holz, sondern auch auf die Saat und Pflanzung von Obst und Gemüse beziehen.

Es wird angeführt, dass bei Vollmond bzw. bei zunehmendem Mond geschlagenes Holz schlecht trockne, schneller faule und eher von Ungeziefer befallen wird. Auch Verfarbungen seien haufiger. Nach den alten Regeln wird mancherorts bis heute, bzw. heute wieder, eingeschlagen. Einige Waldbesitzer und Sagewerker legen besonderen Wert auf den “richtigen” Zeitpunkt für den Hieb. Die Stamme werden bei “kleinem Mond” gefallt und zum Teil nach alter Ãœberlieferung auch erst spater aufgearbeitet. Dieses Holz lasst sich zum Teil für einen deutlich höheren Marktpreis absetzen, wenngleich die Nachfrage insgesamt noch eher bescheiden ist.

Hat der Mond also die Kraft, das Wasserregime in Baumen und anderen Lebewesen zu beeinflussen? Viele verbinden mit Mondholz und Mondbaumen auch nur esoterische Mystizismen. Forstmann Gayer befindet bereits 1863 in seinem Werk über die Forstbenutzung: Der Aberglaube der alten Zeit schrieb auch dem Monde einen Einfluß auf die Dauer des Holzes zu, und zwar in der Art, als sei das, bei abnehmenden Monde geschlagene, dauerhafter, als dass, bei zunehmendem”. Auch Weihnachtsbäume sollen nach einer alten Regel “3 Tage vor dem elften Vollmond” gefällt werden, dann behalten sie lange Zeit ihre Nadeln. Hinterseer berichtet, dass es im Schwarzwald früher sogar einen so genannten Mondstempel vom Förster gab, der für die Mondfällung bürgte. Diese Christbaume waren bereits damals teuerer.

Forstwissenschaftler der Universitat Tharant schrieben allerdings in der Dezemberausgabe 2003 des SPIEGEL, “ein Schuss Spüli in den Stander, der die Oberflächenspannung des Wassers bricht, so dass dieses leichter in die Zellen eindringen kann, habe nachweisbar mehr Einfluss auf das Nadeln des Weihnachtsbaumes als der Fällzeitpunkt”. Eine Reihe anderer wissenschaftlicher Untersuchungen konnten ebenfalls keine praxisrelevanten und reproduzierbaren Unterschiede zwischen Hölzern aus normalem Einschlag und dem Mondholz feststellen. Während die Vorzüge der Winterfällung und bestimmte Vortrocknungsverfahren außer Frage stehen, werden die schwachen Anziehungskräfte des Mondes als Ursache weitgehend ausgeschlossen. Welche anderen Gründe für die in einigen Versuchen nachgewiesene höhere Druckfestigkeit von Neumondholz gegenüber Vollmondholz maßgeblich sind, bleibt vorerst ungeklart. Sind der Aufwand und höhere Preise für Mondholz also berechtigt?

Internet als Marktforum
Das Mondholz bleibt auf jeden Fall weiter in der Diskussion. Im Internet lassen sich zu diesem Thema Tausende von Einträgen finden. Viele Waldbesitzer, Sägewerke und sogar staatliche Forstämter bieten in ihrem Sortiment Mondphasenholz an. Allerdings zeigt sich, dass in vielen Angeboten unter dem Begriff Mondholz nicht nur der Fällzeitpunkt nach der Mondphase, sondern eine ganze Reihe von Verarbeitungsschritten und Qualitätsmerkmalen zusammengefasst werden, mit denen sich die Anbieter von “konventionellem Holz” absetzen wollen. Beispielsweise handele es sich um Qualitätsbaume aus bestimmten Lagen, an speziellen Tagen und immer talwärts gefällt, natürlich vorgetrocknet, ausgestattet mit natürlicher Resistenz, besonders kontrolliert usw. Bauherren, die für ihr Eigenheim solch spezielles Holz wünschen, müssen sich also mit einem komplexen Thema beschäftigen. An die alte Tradition halten sich sogar Kirchenväter; so soll aktuell die historische Marktkirche “Zum heiligen Geist” in Clausthal mit Mondphasenholz saniert werden. Die Kirche wurde in der Zeit von 1636 bis 1642 komplett mit Mondphasenholz aus Wäldern des Oberharzes erbaut.

Wenngleich sich auf diesem Wege für einige Waldbesitzer und Sägereien neue Marktnischen ergeben, wird das Mondholz den Holzmarkt sicher nicht im großen Stile beeinflussen. Fehlt es nur an etwas Vertrauen in altes volkstümliches Wissen und (noch) nicht ergründbare Phanomene oder ist gesunde Skepsis angebracht?

Inwieweit der Mond Auswirkungen auf das Wachstum unserer Bäume hat, kann wohl nicht erschöpfend geklärt werden. Doch wie ist der Umgang mit diesem Sondersortiment im Forst und Holzhandel? Was ist Ihre Meinung zu dem Thema, wie sind Ihre Erfahrungen?

Bildquelle: NOAO/AURA/NSF http://www.noao.edu