Der lange Weg, an der Hochschule etwas Gutes zu tun.

Man schreibt das Jahr 2009, Prof. Dr. Friedbert Bombosch, Dozent seit 1989 an der HAWK Fakultät Ressourcenmanagement, berichtet schon seit Jahren im Rahmen von Weiterbildungsmaßnahmen des Vereins zur Förderung der Land- und Forstarbeiter (VLF e.V.) über seine Aktivitäten im Bereich Waldarbeit, Ergonomie und Forsttechnik an der HAWK. Von den jeweils ca. 30 teilnehmenden Forstwirten werden diese Veranstaltungen gern auch als Möglichkeit gesehen, Probleme der Praxis anzusprechen und Anregungen für die praxisorientierte Forschung zu geben. Nach der zuvor gelösten Problematik, den Forstwirt bei der Arbeit vor den Stacheln der Brombeere zu schützen, was in Kooperation mit der Fa. GRUBE KG durch die Verwendung von Alcantara© in den Hosenbeinen gelang, kam ein neues Problem seitens der Forstwirte ins Gespräch:
„Es muss möglich sein, wir leben doch im digitalen Zeitalter, dass die Durchmesservermessung von Bäumen und Holzsortimenten lageunabhängig, berührungslos im Wald vorgenommen werden kann.“ Seit historischen Zeiten wird dies aber auch heute noch mit sogenannten Kluppen vorgenommen. Speziell im stärkeren Holz, ab ca. 35 cm BHD, werden häufig Kluppen notwendig, die einen längeren Messschenkel haben. Die Kluppen werden am Werkzeuggurt getragen, so dass die größeren Kluppen häufig den Waldarbeiter empfindlich stören, da sie mit dem Schenkel in die Wade stechen oder beim Gehen am Hang stören. Ferner ist es umständlich, immer den langen Schenkel aus der Tragelasche am Werkzeuggürtel herauszuziehen.
Ein von Bombosch erstelltes Pflichtenheft mit Situations- und Marktanalyse war im November 2009 die Basis für den Kollegen Prof. Dr. Wolfgang Viöl an der Fakultät Naturwissenschaften und Technik in seinem Wirkungskreis nach einem Bachelorstudenten zu suchen, der sich an die Fragestellung lösungsorientiert heranmacht. Mit Johannes Winkler war dieser gefunden und ein hochschulinternes Forschungsvorhaben enthielt 2010 Personal- und Sachmittel zur Umsetzung der gestellten Aufgaben.
Die Betreuer Herr Viöl und Herr Prof. Dr. Stephan Wieneke brachten die Entwicklung eines Prototypen durch die hervorragende Bewertung der Bachelorarbeit von Herrn Winkler zu einem erfolgreichen Abschluss. Ein noch unhandliches, Schuhkarton großes Messgerät vereinigte in sich die Messmimik und führte zu Probemessungen in der Praxis. Im April 2012 wurde erstmals die MBM Sciencebridge mit Herrn Dr. Carlos Güntner eingeschaltet, um die Formulierung einer Patentschrift nach eingehender Patentrecherche voranzutreiben. Ein miniaturisierter Prototyp, der mithilfe der 3-D Drucktechnik von Herrn Winkler in 3-facher Ausfertigung gebaut wurde, diente Bombosch für Praxismessungen im künftigen Einsatzbereich. Kollegen, Mitarbeiter und Studierende sowie das Niedersächsische forstliche Bildungszentrum in Münchehof mit Herrn Julian Syldatk entwickelten Messreihen und Verbesserungs- und Optimierungsvorschläge. Die ersten Ergebnisse bezüglich der Genauigkeit im Vergleich zur bisher eingesetzten Kluppe waren vielversprechend, so dass die Arbeit an der Patentierung fortgesetzt werden konnte.
Seit April 2013 bemüht man sich seitens MBM Sciencebridge und dem Netzwerk von Bombosch das Patent zu vermarkten. Einige Fahrten zu potentiellen Interessenten, Marktführern und Entwicklern prägten die letzten 1 ½ Jahre. Schlussendlich konnte im November 2014 die Unterschrift unter den Lizenzvertrag mit einem namhaften Hersteller gesetzt werden. Nach nahezu exakt 5 Jahren ein für alle glücklicher Moment.