Die politischen Veränderungen in Ländern Mittel- und Osteuropas stellen weiterhin die Wirtschaft vor große Herausforderungen und auch die Forst- und Holzwirtschaft ist geprägt von den Schwierigkeiten der Wirtschafts- transformation. Die Verhältnisse, Voraussetzungen und Entwicklungen sind dabei in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.

Die politischen Veranderungen in Landern Mittel- und Osteuropas stellen weiterhin die Wirtschaft vor große Herausforderungen und auch die Forst- und Holzwirtschaft ist gepragt von den Schwierigkeiten der Wirtschafts- transformation. Die Verhaltnisse, Voraussetzungen und Entwicklungen sind dabei in den einzelnen Landern sehr unterschiedlich.

Die Reprivatisierung von Wald wird in unterschiedlicher Art und Geschwindigkeit vollzogen, abhangig von historischen und politisch-wirtschaftliche Eigenarten. Historisch fest in die mitteleuropaische Entwicklung integrierte Lander, wie Polen, Tschechien und Ungarn, stehen privatem Grundeigentum und Waldbesitz offen gegenüber.

In Ungarn wird seit 1990 die Reprivatisierung staatlicher Waldflachen erfolgreich durchgeführt. Antragsteller haben jedoch keinen Anspruch auf vollstandige Restitution. Die Betriebsgrößen im Privatwald betragen durchschnittlich 2 – 3 ha. Zwischen 1950 bis 1996 sind in Ungarn 540.000 ha Wald (ca. 11.700 ha/a) aufgeforstet worden.

In Polen besteht seit 1947 ein Privatwaldanteil von 17%, kleinstrukturiert, mit einer durchschnittlichen Größe von ca. 1,7 ha/ Eigentümer. Die polnischen Privatwalder werden durch natürliche Personen, Bewirtschaftungsgruppen und landwirtschaftliche Produktionsbetriebe bewirtschaftet. Das geltende Forstgesetz (1991) regelt neben den Zielen und Grundsatzen der Forstwirtschaftsführung auch den Schutz der forstlichen Ressourcen. Seit 1995 gilt ein Programm zur Bewaldungserhöhung. Ziel ist es, den Bewaldungsanteil bis 2020 auf 30% zu erhöhen;  bis 2050 ist ein Waldanteil von 33% angestrebt. Holzeinschlag wird in Polens Staatswaldern fast ausschließlich durch private Forstunternehmen vollzogen.

Tschechien  gehört 33,5% Waldanteil zu den waldreichen Landern Mitteleuropas. Er wurde seit Mitte des 20. Jahrhunderts durch Aufforstung deutlich erweitert. In Staatsbesitz sind 61,5% des Waldes, der kommunale Waldanteil betragt 14,6% und der Anteil des Privatwaldes liegt bei 23%. Die Restitution auf Grundlage der Besitzverhaltnisse von 1948 ist fast beendet. Zu Änderungen kann es durch die Verwaltungsreform und die Errichtung von Regionen kommen, welche als Einheiten der Selbstverwaltung mit eigenem Vermögen agieren. Dies wird vor allem die Rückübertragung von Kirchenwaldern betreffen, welche bislang ruhte. Der Großteil des tschechischen Waldes, etwa 43%, wird auch nach Abschluss der Restitution in staatlichem Besitz bleiben. In Tschechien werden Einschlagsarbeiten im Staatswald von privaten Forstunternehmen durchgeführt, welche aus ehemaligen Staatsbetrieben hervorgingen. Gegenwartig unterstützt der Staat die Bewirtschaftung von nichtstaatlichen Flachen dort, wo aus dem Waldgesetz ergebenden Gemeinwohlleistungen, Aktivitaten der Eigentümer erforderlich sind. Mit der Erarbeitung eines Nationalen Forstprogramms knüpft die Tschechische Republik an geltende internationale und nationale Programme zur Regelung der Waldbewirtschaftung an. Das NFP wurde für den Zeitraum 2003-2006 konzipiert, übertragt den Waldbesitzern wachsende Eigenverantwortung und reduziert gleichzeitig staatliche Verwaltungseingriffe auf ein Mindestmaß.

Die Slowakei wurde 1989 ahnlich wie alle MOE – Staaten von einer deutlichen Anpassungsrezession betroffen. Hinzu kamen die wirtschaftlichen Folgen der Trennung von Tschechien im Jahre 1993. Die Slowakei ist mit einem Bewaldungsanteil von 40,6% eines der am dichtesten bewaldeten Lander Mitteleuropas. Seit 1950 wird durch Neuwaldbildung die Waldflache kontinuierlich erhöht. Die Veranderung der Waldeigentumsverhaltnisse wird noch vollzogen. Auf vielen forstlichen Flachen ist die Frage der Eigentumsverhaltnisse noch ungeklart. Derzeit sind 43% des Waldes in Staatsbesitz, 30% sind im Besitz von Privatpersonen oder – institutionen und 9,4% sind Kommunalwald. Die Restitution greift zum Teil auf mittelalterliche Strukturen von Waldgenossenschaften zurück; sie bewirtschaften allein über 50% des Nichtstaatswaldes.

In den Landern des Baltikums besteht Einvernehmen darüber, dass die Eigentumsverhaltnisse durch die Rückgabe von Wald nach dem Stand von 1940 wiederhergestellt werden. Entsprechende Gesetzesgrundlagen existieren. Schwierig gestaltet sich die Umsetzung der Restitution, da Eigentumsnachweise fehlen bzw. Änderungen der Landnutzung vorgenommen wurden.

In Estland wurden bis zum Ende 1998 waren 18% der Walder rückerstattet, Staatswalder hatten einen Anteil von 47%. Ziel ist es, ein Verhaltnis von 59% Privatwald zu 41% Staatswald zu erreichen. Die Forstorganisation Estlands ahnelt der in Deutschland. Forsthoheit, forstliche Beratung und Förderung des Nichtstaatswaldes unterliegen einer Behörde. Zukünftig soll die staatliche Forstwirtschaft umstrukturiert werden. Durch die Schaffung von Waldeigentumsverbanden ist eine Angleichung an die Regeln des freien Wettbewerbs angestrebt.

In Lettland sind gegenwartig 44% der Walder privatisiert, cirka 52% Waldflache befinden sich unter staatlicher Bewirtschaftung. Die Restitutionsprozesse sind durch voran genannte Gründe verlangsamt. Ein Großteil der neuen Waldbesitzer ist derzeit noch nicht als Eigentümer in den Grundbüchern eingetragen. Die Förderung des Privatwaldes, welche sich neben finanzieller Förderung schwerpunktmaßig auf die Verbesserung des Ausbildungsstandes der Privatwaldeigentümer richtet, ist Anliegen der staatlichen Einheitsforstverwaltung. Technische Arbeiten wie Holzernte, Wegebau oder Aufforstungen wird nicht mehr in Eigenregie durchgeführt, sondern an private oder staatliche Forstunternehmen vergeben.

Ähnlich wie in Estland und Lettland, hat auch die Waldflache in Litauen nach dem 2. Weltkrieg durch Aufforstungen und Rückzuges der Landwirtschaft von Grenzertragsstandorten kontinuierlich zugenommen. Auf Grundlage der Eigentumsverhaltnisse von 1940 wurde ab 1991 mit der Rückgabe von Waldflachen an die Alteigentümer begonnen. Basierend auf Bestimmungen der Unabhangigkeit in den 20er und 30er Jahren dürfen jedoch pro neuem Waldeigentümer nicht mehr als 25 ha rückübertragen werden. 1997 betrug der Anteil des Staatswaldes ca. 52,6%, der Privatwaldanteil 47,7% und noch 29,8% stehen zur Restitution. Einschlagsarbeiten werden maßgeblich durch Forstbetriebe in Eigenregie oder durch staatliche Holzeinschlagsunternehmen durchgeführt. Private Einschlagsunternehmen haben im Staatswald nur die Möglichkeit, das Holz „auf dem Stock“ zu kaufen, und in Folge die Einschlagsarbeiten in Eigenregie zu vollziehen.

Als Sonderfall unter den MOE-Staaten gilt Slowenien. Hervorgegangen aus dem Zerfall Jugoslawiens, gehörte das Land nicht dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) an. Die Annaherung an die Europaische Union scheint für Slowenien leichter, da nie die typisch starre planwirtschaftliche Ordnung vorherrschte. Die Ausgangsbedingungen für einen erfolgreichen Start in den Transformationsprozess waren außerordentlich gut. Im gesamteuropaischen Vergleich besitzt Slowenien einen der höchsten Waldanteile. Im Jahre 1996 betrug der Anteil der Waldflache bezogen auf die Landesflache 54,2%.  Infolge umfangreicher Aufforstungsbemühungen nahm die Waldflache in den letzten Jahrzehnten stetig zu. Die slowenischen Waldeigentumsverhaltnisse stellen einen Sonderfall unter den MOE – Staaten dar, denn auch zu Zeiten der Volksrepublik Jugoslawien befanden sich fast 2 Drittel des Waldes in Privateigentum. Seit dem Jahre 1991, dem Begin der Unabhangigkeit Sloweniens, wird zusatzlich der nach dem 2. Weltkrieg verstaatlichte Waldbesitz privatisiert. Dies bedeutet nach Abschluss der Restitutionsprozesse, dass es zu einer Erhöhung des Privatwaldbesitzes auf etwa 80% kommen wird.

In Bulgarien wurde der Transformationsfortschritt durch den Wahlsieg der exkommunistischen Bulgarischen Sozialen Partei im Jahr 1994 erneut verlangsamt und Reformen blockiert. Neben Problemen der Migration und einem Ansteigen der Arbeitslosenquote, wirkte sich die schwere Anpassungsrezession auch auf den Handel aus. Auch die Restitution des Waldes gestaltet sich seit dem Beginn im Jahre 1998 schwierig. Grundlage hierfür ist das Gesetz zur Restitution von ehemaligen Privatwaldflachen aus dem Jahre 1997.

Nur 2,7% des Waldes, welcher vor 1990 durch staatliche Schulen bzw. landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften bewirtschaftet wurde, sind inzwischen zum Privatwald erklart; Eigentumsrückgaben an die Alteigentümer gab es hingegen noch nicht. Als Orientierung gelten Eigentumsverhaltnisse von 1947, da in diesem Jahr durch Massenenteignungen große Privatwaldflachen verstaatlicht wurden. Zukünftig sollen Holzernte, Holzvermarktung und Holztransport an private Unternehmen vergeben werden.

In Rumanien wurden im Jahr 1948 alle nichtstaatlichen Walder durch Enteignung zu Staatswald. Bis zu diesem Zeitpunkt besaß der Kommunalwald mit ca. 40% den höchsten Waldanteil. Bis 1990 existierte in Rumanien kein Privat- und Kommunalwald. Nach der politischen Wende ist der Prozess der Rückübertragung des Walsbesitzes noch nicht vorangekommen bzw. wird gesetzlich erschwert. Bis 1995 waren erst 5% an die Alteigentümer zurückgegeben worden. Seither stagniert die Waldrückgabe und wird auch in naher Zukunft nicht zu beschleunigen sein.